Abraham Léon

Die jüdische Frage

Die jüdische Frage

Eine marxistische Darstellung

205 Seiten
Einband: Paperback
Erschienen: 1995
Preis:  € 14,90 [D],  € 15,40 [A]
ISBN: 978-3-88634-064-4
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Abraham Léon, der 1918 in Warschau geboren wird und später in Belgien einer zionistischen Jugendorganisation angehört, bricht mit den nationalistischen Vorstellungen des Zionismus, als er Europa Ende der dreißiger Jahre immer weiter im Strudel des Chauvinismus untergehen sieht.

In seinem 1942 fertiggestellten Buch geht er von einem streng materialistischen Standpunkt an die jüdische Frage heran: Nicht die jüdische Religion und Kultur erklärt seiner Ansicht nach, weshalb sich die Juden als gesonderte gesellschaftliche Gruppe erhalten haben, sondern ihre Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft. Dieser Rolle, wie sie sich über die Jahrhunderte hinweg verändert hat, spürt er in allen Einzelheiten nach und erklärt daraus sowohl den Fortbestand der jüdischen Religion als auch die Wurzeln des Antisemitismus, mit dem andere gesellschaftliche Gruppen wiederholt auf das Judentum reagiert haben.

Die Ursache des modernen Antisemitismus, der im Rassenwahn der Nazis seine extremste Form fand, entdeckt er im Niedergang der kapitalistischen Gesellschaft. Hatte der Kapitalismus in seiner Aufstiegsphase die Juden noch assimiliert und integriert, so erweist er sich dazu in seiner Zerfallsperiode nicht mehr in der Lage: Den aus ihren wirtschaftlichen Positionen im Feudalismus verdrängten Juden gelang es nicht, sich in die im Auflösungsprozess befindliche kapitalistische Wirtschaft zu integrieren. Überall entwickelt sich ein wütender Antisemitismus in den Mittelschichten, die an den kapitalistischen Widersprüchen zugrunde zu gehen drohen. Das Großkapital bedient sich dieses elementaren Antisemitismus des Kleinbürgertums, um die Massen um die Fahne des Rassismus zu mobilisieren. Die furchtbare Krise der kapitalistischen Ordnung im 20. Jahrhundert hat die Lage der Juden unerhört verschlechtert. Leon sieht die Alternative für die Juden nicht im Zionismus, sondern in der sozialistischen Perspektive, für die er bis zu seiner Ermordung in Auschwitz 1944 eintritt.

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